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Fitness Revue - Fitness Magazin für Fitnesstraining, Sport, Krafttraining, HIT Training, Ernährung, Rezepte

Regeneration - sportmedizinische Sicht


Im modernen Leistungstraining ist die Regeneration fast genauso bedeutsam wie das Training selbst. Eine geordnete Regeneration hilft, die Belastung besser zu verarbeiten und ermöglicht eine baldige Wiederbelastung. In der Regenerationszeit wird dem Organismus die Chance gegeben, sich den Belastungsreizen anzupassen. Die hauptsächlichen funktionellen Umbauten im Organismus, aus denen eine Steigerung der Leistungsfähigkeit resultiert, gehen zum größten Teil nicht während der Trainingsarbeit, sondern in der Regenerationsphase vor sich.

Training bedeutet, daß nach u nvollständiger Regeneration (Wiederherstellung) die erneute Belastung erfolgt. In ihrer Addition ist die unvollständige Regeneration zugleich die Voraussetzung dafür, daß sich der Organismus der Belastung anpaßt. Nach der Belastung kehren die beanspruchten Funktionssysteme (z.B. Herz-Kreislauf-System, Bewegungsapparat) in zeitlich unterschiedlicher Folge zum Ausgangszustand zurück (siehe Tab. 1).

Tab. 1: Zeitlicher Ablauf der Regeneration nach sportlichen Belastungen*)
4.-6. MinuteVollständige Auffüllung der muskulären Creatinphosphat-Speicher
20. MinuteRückkehr von Herzschlagfrequenz und Blutdruck zum Ausgangswert
20.-30. MinuteAusgleich der Unterzuckerung; nach KohlenhydrataufnahmeEinsetzen eines vorübergehenden Blutzuckeranstieges
30. MinuteErreichen eines Gleichgewichtszustandes im Säuren-Basen-Haushalt,Abnahme der Lactatkonzentration unter 3 mmol/l
60. MinuteNachlassen der Proteinsynthesehemmung in beanspruchter Muskulatur
90. MinuteUmschlag von der katabolen in die anabole Stoffwechsellage; verstärkter Eiweißumsatz zur Regeneration und Anpassung
2. StundeÜberwiegende Wiederherstellung der ermüdeten Funktionender Muskulatur (erste Stufe motorischer Wiederbelastbarkeit)
6.Stunde bis 1. TagAusgleich im Flüssigkeitshaushalt; Normalisierung des Verhältnisses fester und flüssiger Blutbestandteile (Hämatokrit)
1. TagWiederauffüllung des Leberglykogens
2.-7. TagAuffüllung des Muskelglykogens in stark beanspruchter Muskulatur
3.-5. TagAuffüllung der muskulären Fettspeicher (Triglyceride)
3.-10. TagRegeneration teilzerstörter Muskelfasereiweiße
7.-14. TagStrukturaufbau in funktionsgestörten Mitochondrien (allmählicher Wiedergewinn der vollen muskulären aeroben Leistungsfähigkeit)
1.-3. WochePsychische Erholung vom gesamtorganischem Belastungs-Streß und Wiederabrufbarkeit der sportspezifischen Komplexleistung in Kurz-, Mittel- und Langzeitausdauersportarten (LZA I und II, nicht jedoch in LZA III und IV: Marathon, 100 km-Lauf)
*) Durchschnittswerte; individuell stark von Dauer und Intensität der Belastung sowie der Leistungsfähigkeit beeinflußt


Der Tabelle ist zu entnehmen, daß bei Mehrfachbelastungen am gleichen Tag oder am Folgetag der Erholungszustand der Organsysteme sehr unterschiedlich ist, z.B. normalisiert sich die Herzschlagfrequenz viel schneller, als sich die muskulären Fettspeicher wieder aufgefüllt haben. Um alle Defizite wieder auszugleichen, ist es nötig, daß bestimmte Substrate über die Nahrung (siehe nachfolgenden Beitrag „Ernährung nach dem Wettkampf“) bereitgestellt werden.


Hormonelle Regulation
Um objektiv zu beurteilen, inwieweit sich der Organismus bereits regeneriert hat, wird der sogenannte katabol-anabole (abbauend/aufbauend) Funktionszustand vom Arzt bestimmt. Dazu werden der Insulinspiegel und das Cortisol (Hormon der Nebennierenrinde) ermittelt. Ergibt sich ein hoher Insulinspiegel in Verbindung mit einer abnehmenden Cortisolkonzentration, so ist das ein Zeichen für die Dominanz des anabolen, d.h. des aufbauenden Zustandes des Organismus nach hoher Belastung (siehe Tab. 2).

Tab. 2: Kennzeichnung der abbauenden (katabolen) und aufbauenden (anabolen) Stoffwechsellage nach hohen Ausdauerbelastungen*)
Katabole Stoffwechsellage
(Dominanz abbauender Regulationen)
Anabole Stoffwechsellage
(Dominanz aufbauender Regulationen)
Insulin
sinkt
Insulin
steigt
Cortisol
steigt
Cortisol
sinkt
Serumharnstoff
steigt
Testosteron (falls abgefallen)
steigt
Creatinkinase
steigt
Serumharnstoff
sinkt
Aminosäuren
sinken
Creatinkinase
sinkt
Ammoniak, Harnsäure
steigen
Aminosäuren
steigen
Immunglobuline
sinken
Immunglobuline
steigen
*)Veränderungen können nach Belastung 1 bis 5 Tage andauern


Andererseits erhält man über den Quotienten aus Cortisol und freiem Testosteron (männliches Sexualhormon) Auskunft, ob sich der Organismus eher im aufbauenden oder abbauenden Zustand befindet. Nach mehrstündigen Ausdauerbelastungen (länger als Marathondistanz) kann z.B. die Konzentration des freien Testosterons ab- und die des Cortisols um den Faktor 2 bis 4 zunehmen.
Um den Organismus ohne Schaden im Sinne des Trainings wiederzubelasten, ist es entscheidend, daß die anabole Richtung dominiert und die erneute Belastung katabole Zustände nicht verstärkt.


Die Regeneration der Muskelzellen
Lange Zeit waren die vom Sportler geäußerten Ermüdungsprobleme in der Muskulatur, die vom erfahrenen Trainer mit sportmethodischen Maßnahmen ausbalanciert wurden, nicht so recht in ihrer Ursache bekannt. Inzwischen ist durch muskelbioptische Untersuchungen gesichert, daß es durch ungewohnte Belastungen zu Muskelfaserrissen und Zerstörungen von Zellmembranen (Zellwand) kommen kann. Die mildeste Form dieser Störung ist der bekannte Muskelkater. Er hat nichts mit einer bisher oft angenommenen Übersäuerung des Muskels zu tun. Eine Folge dieser Strukturstörung ist der hohe Anstieg der Creatinkinase (CK - siehe sportsCARE 2/97). Nicht alle Anstiege des CK-Wertes, besonders wenn sie nur das 4 bis 5fache des Trainingsdurchschnittswertes betragen, sind allerdings Ausdruck von ultrastrukturellen Zerstörungen.
Die stärksten Funktions- und Strukturstörungen rufen ungewohnte exzentrische Muskelbelastungen (gegen die gewohnte Kontraktionsrichtung des Muskles) hervor, wie z.B. das Laufen auf hartem Untergrund und besonders das Bergablaufen. Auch
Extremausdauerbelastungen (Marathon, Ironman, 100 km-Lauf u.a.) stören das aerobe (!) Energiegewinnungspotential infolge der anhaltenden Energienot. Deshalb ist die dafür notwendige Regenerationszeit viel länger, als sie zur Auffüllung der Glykogenspeicher (Kohlenhydratspeicher) nötig wäre.
Die Regeneration der hoch belasteten Muskulatur, die die größte Bedeutung bei der Regeneration des Organismus überhaupt hat, wird durch sportmethodische, diätetische und physiotherapeutische Maßnahmen unterstützt.

Die regenerationsfördernden Maßnahmen müssen immer in ihrer Komplexität gesehen und auch gestaltet werden. Das Hauptziel ist und bleibt die Wiederaufnahme der Belastung im gewohnten Trainingsrahmen.

Regenerationsmaßnahmen (Überblick)Regenerationsfördernde Substanzen
• Cool-down Programme mit Lockerungs- und
Dehnungsübungen
• Regenerations- und Kompensationstraining
(REKOM)
• Erholungstage, Entlastungswochen,
Aktivurlaub
• Wärmeanwendungen wie Entmüdungsbäder,
Entspannungsduschen, Sauna, Fangopackungen,
Moorbäder
• Kälte- und Eisanwendungen
• Massage
• Solarium
• Ausreichender Schlaf
• Entspannungstechniken
• Autogenes Training
• Ausgleich von Flüssigkeits- und
Energiedefizit
• Regenerationsfördernde Substanzen
Energiestoffwechsel:
Komplexhydrate, Creatin, verzweigtkettige Aminosäuren,mittelkettige Fettsäuren
Mikronährstoffe:
Magnesium, Zink, Selen, Chrom,VitaminC
Antioxidantien:
Vitamin E, Selen, Vitamin C, Betacarotin
Antikatabolika:
Glutamin, verzweigtkettige Aminosäuren, Beta-Hydroxy-Beta- Methylbutyrat, Arginin, Ornithin, Kohlenhydrat-Proteingemische
Immunstimulantien:
Sonnenhut (Echinacea), L-Carnitin, Eberraute, Mistel, Kamille u.a.


Quelle/Verfasser:
Prof. Dr. med. G. Neumann,
Institut für angewandte
Trainingswissenschaft, Leipzig

 
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